Wenn ein Kind nach Hause kommt, einen imaginären Verdächtigen verhört und seinem Kuscheltier eröffnet, dass es unter dringendem Tatverdacht steht, zeigt das, wie ernst Kinder ihr Rollenspiel nehmen – und wie viel Freude ihnen die Polizeiarbeit-Fantasie bereitet. Das Polizeispiel ist eines der beliebtesten Szenarien im Vorschul- und Grundschulalter, weil es Autorität, Abenteuer, Gemeinschaft und Rätselreize auf einmal vereint.
Was das Polizeispiel von anderen Rollenspielen unterscheidet, ist die natürliche Struktur: Es gibt einen Fall, es gibt Verdächtige, es gibt eine Lösung. Das gibt dem Spiel einen klaren Anfang und ein Ende – und genau diese Struktur macht es für Kinder besonders anziehend.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=wFeYyU6lI0Y
Konkrete Szenarien – so startet das Spiel
Das wichtigste Startelement ist ein konkreter Fall. Kinder brauchen keine ausführliche Erklärung – ein klarer Auftrag reicht, um das Spiel sofort zu starten.
Das verschwundene Spielzeug (ab ca. 3 Jahren)
Der Klassiker für Jüngste: Ein Kuscheltier oder ein Lieblingsgegenstand ist „gestohlen“ worden – tatsächlich irgendwo im Zimmer versteckt. Die Polizei ermittelt: Wo war das Spielzeug zuletzt? Wer war in der Nähe? Gibt es Spuren? Als erstes Mal führt ein Erwachsener den Fall als „Zeuge“ ein und beschreibt dramatisch den Diebstahl. Das Kind übernimmt die Ermittlung, stellt Fragen, durchsucht Räume – und findet schließlich das versteckte Objekt. Kuscheltiere eignen sich hervorragend als Verdächtige.
Der Kunstdieb (ab ca. 5 Jahren)
Ein „wertvolles Kunstwerk“ – ein selbst gemaltes Bild, ein Foto, eine Bastelarbeit – ist aus dem Wohnzimmer-„Museum“ gestohlen worden. Tatortspuren (ein einzelner Handschuh, ein Zettel mit einer kryptischen Botschaft, ein umgeworfenes Glas) deuten auf den Täter hin. Das Kind sichert die Spuren, befragt Zeugen (Familienmitglieder oder Kuscheltiere) und rekonstruiert den Tathergang.
- Fall vorbereitenVorab heimlich einen Gegenstand verstecken und ein bis drei Hinweise auslegen: ein Zettel mit einem Pfeil, ein Fußabdruck aus Mehl auf dem Boden, eine Liste mit Verdächtigen. Je mehr Mühe, desto tiefer taucht das Kind ins Szenario ein.
- Fall eröffnenAls erster Zeuge auftreten: „Ich habe heute Morgen bemerkt, dass das Bild aus dem Wohnzimmer verschwunden ist! Ich brauche sofort Polizei!“ Das Kind übernimmt ab diesem Moment die Hauptrolle.
- Ermitteln lassenNicht helfen, nicht leiten. Fragen stellen, wenn nötig: „Was hast du an der Tatort gefunden? Wen willst du als nächstes befragen?“ Das Kind entwickelt den Fall selbst weiter.
- Fall lösenDas versteckte Objekt wird gefunden oder der „Täter“ (ein Kuscheltier mit Beweisen unter der Nase) wird überführt. Eine kurze Abschlussszene – Verhör, Geständnis, Happy End – schließt den Fall ab.
Die geheime Nachricht (ab ca. 6 Jahren)
Ein Zettel taucht auf, der mit einfachem Code verschlüsselt ist: Zahlen statt Buchstaben (1=A, 2=B), Spiegelschrift, oder ein Rückwärts-Alphabet. Das Kind muss die Nachricht entschlüsseln, um herauszufinden, wo der Verdächtige sich verbirgt oder was als nächstes geplant ist. Für Kinder ab sechs Jahren ist das Entziffern des Codes oft spannender als der eigentliche Fall.
Tatort in verschiedenen Räumen (ab ca. 5 Jahren)
Mehrere Räume der Wohnung werden als verschiedene Schauplätze definiert: Das Wohnzimmer ist Kommissariat und Verhörraum, der Flur ist Tatort, die Küche ist Zeugenstube. Ein Kind oder mehrere Kinder spielen Detektive, Erwachsene oder weitere Kinder übernehmen Rollen als Zeugen oder Verdächtige. Das Spiel kann über mehrere Räume und mehrere Runden laufen – mit wechselnden Fällen.
Ausrüstung – was nötig ist und was man bastelt
Ein Polizeiabzeichen definiert die Rolle sofort. Wer ein Abzeichen trägt, ist der Polizist – das braucht keine Erklärung. Was sonst noch hilft:
- Abzeichen: Aus Pappe ausschneiden, golden oder silbern bemalen und mit Klettband oder Sicherheitsnadel befestigen. Fünf Minuten Bastelzeit, große Wirkung.
- Polizeiausweis: Ein gefaltetes Stück Karton mit handgeschriebenem Namen, Bild (selbst gezeichnet oder aufgeklebt) und Dienstgrad. Kinder nehmen diese Ausweise erstaunlich ernst.
- Notizbuch: Für Zeugenaussagen, Tatortbeschreibungen und Verdächtigenlisten. Ein kleines Heft und ein Stift reichen vollkommen – und werden mit Begeisterung vollgeschrieben.
- Funkgerät: Zwei leere Plastikflaschen oder Bananen als Requisiten, ein Spielzeug-Walkie-Talkie oder echte Geräte wenn vorhanden. Die Funkkommunikation zwischen Ermittlern ist ein Kernelement des Spiels.
- Uniform: Dunkle Hose, dunkles Oberteil, schwarzer Gürtel. Ein weißes Hemd darunter oder darüber reicht als Basis. Eine dunkle Mütze aus dem Kleiderschrank vervollständigt das Bild.
- Spurensicherungsset: Ein Pinsel und etwas Mehl als „Fingerabdruckpulver“, kleine Tüten als Beweisbeutel, eine Lupe. Dieses Set kostet nichts und erhöht die Spieltiefe erheblich.
Rollen beim Polizeispiel
Das Polizeispiel skaliert von einem einzelnen Kind bis zu einer Gruppe von sechs oder mehr:
| Rolle | Aufgabe im Spiel | Ab Alter | Gut für |
|---|---|---|---|
| Hauptermittler / Kommissarin | Leitet den Fall, befragt Zeugen, wertet Spuren aus | ab 4 | Das Geburtstagskind, ältestes Kind |
| Spurensicherung | Sichert Beweise, fotografiert (mit Spielzeugkamera) den Tatort | ab 5 | Zweites Kind oder Geschwister |
| Zeuge | Berichtet, was gesehen wurde – mit kleinen Details und Widersprüchen | beliebig | Erwachsene, ältere Kinder |
| Verdächtiger | Hat ein Alibi, verhält sich auffällig, gesteht am Ende | beliebig | Erwachsene, ältere Kinder |
| Leitstelle | Gibt Informationen per Funk, koordiniert den Einsatz | ab 5 | Kinder, die lieber beobachten als im Zentrum stehen |
Spielregeln und Sicherheit
- Stoppwort vereinbaren: Wer „Stopp“ sagt, unterbricht das Spiel sofort – keine Diskussion. Jedes Kind kann jederzeit aus der Rolle heraustreten.
- Spielbereich festlegen: Welche Räume sind erlaubt? Treppenhaus, Balkone und Straße bleiben außen vor. Kurze Absprache vor dem Start verhindert Missverständnisse.
- Kein echtes Festhalten: Verhöre und Festnahmen finden nur spielerisch statt – kein Kind darf wirklich festgehalten oder eingesperrt werden.
- Rollenwechsel ermöglichen: Wer immer Verdächtiger ist, möchte vielleicht auch mal ermitteln. Rollen nach jedem Fall neu verteilen.
- Gegenstände nicht werfen: Auch als „Beweise“ gesicherte Gegenstände bleiben auf dem Boden oder in der Hand – nicht in der Luft.
Das Polizeispiel lässt sich gut mit anderen Rollenspielszenarien kombinieren. Ein Verdächtiger flieht und ruft die Feuerwehr – schon geht das Spiel nahtlos weiter. Wer mehr Szenarien und Rollenspiel-Ideen sucht, findet bei den Beispielen für Rollenspiele für Kinder eine breite Übersicht. Und wer das Polizei-Abenteuer mit einem Feuerwehreinsatz kombinieren möchte, findet im Artikel über Feuerwehr spielen passende Szenarien und Requisiten-Tipps.
Polizei spielen braucht keinen aufwendigen Aufbau. Ein verstecktes Spielzeug, ein Zettel mit Hinweisen und ein selbst gebasteltes Abzeichen – das reicht, um einen Nachmittag lang Ermittler zu sein.
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