Märchenwald spielen zieht Kinder ab etwa 4 Jahren in einen Bann, der sich kaum erklären lässt – und doch sofort zu sehen ist. Sobald ein Kind einen Stock als Zauberstab hält, ein Tuch als Umhang trägt und zwischen zwei Kissen als „Wald“ steht, ist die Verwandlung vollzogen. Das Märchenwald-Rollenspiel ist eines der reichhaltigsten Fantasiespiele überhaupt, weil es auf Geschichten aufbaut, die Kinder bereits kennen und lieben.
Das Besondere ist die Doppelstruktur: Kinder spielen bekannte Szenen nach – und erfinden sie gleichzeitig neu. Rotkäppchen trifft diesmal den Wolf und schließt Freundschaft. Hänsel und Gretel finden die Hexe hilfreich statt böse. Diese Freiheit, Geschichten umzuschreiben, ist pädagogisch wertvoll und macht das Spiel langlebig: Es gibt keine „falsche“ Version.
Dieser Artikel zeigt, wie sich ein Märchenwald zu Hause oder draußen aufbauen lässt, welche Rollen und Szenarien besonders gut funktionieren und welche Materialien dafür nötig sind – meist weniger als man denkt.
Den Märchenwald aufbauen – drinnen und draußen
Ein Märchenwald braucht keine aufwendige Dekoration. Was er braucht, ist ein klar abgegrenzter Raum, der sich vom Alltag unterscheidet. Im Kinderzimmer reicht das schon, wenn Kissen und Decken einen „Wald“ formen, grüne Tücher über Stühle gehängt werden und ein paar Äste oder Zapfen aus dem Garten den Boden bedecken.
- Drinnen: Stühle mit grünen Tüchern als Bäume, Kissen als Hügel und Waldlichtung, Äste und Zapfen vom letzten Spaziergang als Bodendeko. Eine Tischlampe mit orangem Licht als Feuer oder Laterne. Fertig ist der Wald.
- Draußen: Im Garten oder Park entstehen die besten Märchenwälder. Zwischen Bäumen ein Seil spannen und Tücher dranhängen ergibt ein Burgtor oder eine Hexenhütte. Steine und Stöcke werden zu Zäunen, Türmen und Wegmarkierungen.
- Naturmaterialien sammeln: Vor dem Spiel gemeinsam auf Sammeltour gehen – Moos, Steine, Rinde, Zapfen, Blätter. Das Sammeln ist bereits Teil des Spiels und erzeugt Vorfreude.
- Figuren: Holzfiguren, die kein bestimmtes Gesicht haben, laden mehr zur Fantasie ein als detaillierte Kunststofffiguren. Alternativ: Figuren aus Knete formen, Steine bemalen oder einfach Alltagsgegenstände als Stellvertreter nutzen – ein Radiergummi ist die Hexe, ein Würfel das Schloss.
Märchen als Vorlage – und wie Kinder sie umschreiben
Die bekanntesten Märchen eignen sich als Spielvorlage, weil alle Beteiligten die Geschichte bereits kennen. Das nimmt den Einstiegsdruck: Niemand muss erklärt bekommen, wer Rotkäppchen ist. Dafür entsteht Raum für das Entscheidende – die eigene Version.
- RotkäppchenKlassische Rollen: Rotkäppchen, die Großmutter, der Wolf, der Jäger. Mögliche Umschreibung: Der Wolf ist kein Bösewicht, sondern hat sich verirrt und braucht Hilfe. Rotkäppchen führt ihn zum Ausgang des Waldes.
- Hänsel und GretelKlassische Rollen: Hänsel, Gretel, die Hexe, der Vater. Mögliche Umschreibung: Das Knusperhaus ist kein Fangort, sondern eine Bäckerei, in der die Hexe Hilfe beim Backen braucht. Die Kinder helfen und bekommen Proviant für den Rückweg.
- DornröschenKlassische Rollen: Dornröschen, der Prinz, die böse Fee, die guten Feen. Mögliche Umschreibung: Statt zu schlafen, muss Dornröschen drei Rätsel lösen, um den Zauber zu brechen – die anderen Kinder stellen die Rätsel.
- Eigenes Märchen erfindenKein Vorlage nötig: Alle Kinder zusammen erfinden eine Figur, eine Aufgabe und ein Hindernis. Der Wald und seine Bewohner entstehen beim Spielen selbst.
Kostüme und Requisiten mit einfachen Mitteln
Für das Märchenwald-Rollenspiel brauchen Kinder keine aufwendigen Kostüme. Ein Tuch als Umhang, ein Stab als Zauberstab, ein Körbchen als Rotkäppchen-Requisite – das reicht vollständig. Kinder unter 6 Jahren sind oft zufriedener mit einem einzigen eindeutigen Accessoire als mit einem vollständigen Kostüm.
- Umhang: Jedes längere Tuch, das hinten zugebunden werden kann. Rot für Rotkäppchen, schwarz für die Hexe, golden für den König.
- Zauberstab: Ein gerader Stock aus dem Garten, mit etwas Alufolie am Ende oder mit Klebeband bunt bewickelt.
- Krone: Aus Karton ausschneiden, mit Goldfarbe bemalen, mit Klebeband schließen. In 10 Minuten fertig und hält mehrere Spielrunden.
- Schloss / Hexenhaus: Ein aufgestellter großer Karton, bemalt oder mit Tüchern verhängt. Dient als fester Ort im Spiel, an dem bestimmte Szenen stattfinden.
Das Märchenwald-Rollenspiel lässt sich gut mit anderen Fantasiespielen verbinden – zum Beispiel mit dem Hexenspiel oder dem Baustelle spielen, wenn das Schloss noch gebaut werden muss, bevor das Abenteuer beginnt.


