Telefonieren gehört zu den frühesten Rollenspielen von Kindern – lange bevor sie lesen oder schreiben können. Sie sehen Erwachsene telefonieren, sie wollen es nachmachen. Und so entsteht das erste echte Gesprächsspiel: Eines hält das Telefon ans Ohr, das andere auch, und irgendwas passiert dazwischen. Was genau passiert, hängt davon ab, welche Szenarien man anbietet.
Dieser Artikel zeigt konkrete Telefonspiel-Szenarien, wie man das Spiel strukturiert und welche Varianten am besten funktionieren – für zu Hause, den Kindergarten und die Grundschule.
Was man zum Spielen braucht
Zwei Telefone. Das war’s.
- Spielzeugtelefon: Klassisches Schnurtelefon aus Holz oder Kunststoff – für Kleinkinder ab zwei Jahren. Wählen, klingeln, abnehmen.
- Zwei Schnurtelefone selbst basteln: Zwei Plastikbecher, eine lange Schnur, Löcher in die Böden bohren – fertig. Das Fadentelefonprinzip funktioniert wirklich und erzeugt echte Stimmenübertragung. Für Kinder ab vier Jahren begeisternd.
- Ausrangierte Handys: Alte Handys ohne SIM-Karte (Display an, keine Verbindung) als realistische Requisiten. Kinder ab drei Jahren wissen sofort, was das ist.
- Walkie-Talkies: Für Kinder ab fünf Jahren – der Unterschied zu einem Telefon ist gering, aber das Medium gibt dem Spiel eine andere Qualität (Polizei, Feuerwehr, Abenteuer).
- Kein Gerät notwendig: Daumen und kleiner Finger ans Ohr halten. Ab drei Jahren völlig ausreichend, besonders spontan und überall einsetzbar.
Konkrete Spielszenarien
Pizza bestellen (ab ca. 3 Jahren)
Das einfachste Szenario: Ein Kind ist der Pizzabote (Lieferdienst), das andere der Kunde. Der Kunde ruft an, bestellt, nennt die Adresse. Der Pizzabote schreibt auf (oder tut so als ob), bestätigt und liefert nach einer Weile.
- Bestellung aufgebenKunde wählt die Nummer, Pizzabote nimmt ab: „Hier Pizza Blitz, was darf es sein?“ Kunde nennt Bestellung: „Zweimal Margherita, einmal mit extra Käse.“
- Adresse nennenPizzabote fragt nach Adresse und Telefonnummer. Kunde erfindet eine. Pizzabote notiert (auf Papier oder in der Luft).
- Preis nennen und verabschiedenPizzabote nennt den Preis: „Das macht 14 Euro. In 30 Minuten bei Ihnen!“ Beide verabschieden sich.
- LieferungNach einer Weile klingelt der Pizzabote (klopft), übergibt eine Schachtel (Karton), kassiert das Spielgeld.
Beim Arzt / Zahnarzt anrufen (ab ca. 4 Jahren)
Das Kind als Praxisrezeptionistin nimmt den Anruf entgegen und vereinbart einen Termin. Der Erwachsene als Patient nennt sein Problem. Das Spiel kann direkt in ein Arztpraxis-Rollenspiel übergehen.
- AnrufenPatient ruft an: „Guten Tag, ich brauche einen Termin. Ich habe Zahnschmerzen.“
- Termin vereinbarenRezeptionistin fragt nach Name, wie lange die Schmerzen schon bestehen, und schlägt einen Termin vor: „Morgen um 10 Uhr? Oder passt Donnerstag besser?“
- BestätigungName wird eingetragen (ins Auftragsbuch), Termin bestätigt, Verabschiedung.
- Ankunft in der PraxisDer Patient erscheint und das Arztpraxis-Spiel beginnt – nahtloser Übergang vom Telefonspiel ins Rollenspiel.
Großeltern anrufen (ab ca. 3 Jahren)
Das persönlichste Szenario: Das Kind ruft die Großeltern an, erzählt vom Tag, fragt wie es ihnen geht. Ein Erwachsener spielt die Großeltern-Rolle.
Gute Eröffnungsfragen für den Erwachsenen als Oma oder Opa: „Was hast du heute gemacht?“ – „Was habt ihr in der Kita gespielt?“ – „Hast du gut gegessen?“ – „Kommst du bald zu Besuch?“ Kinder erzählen in dieser Situation überraschend viel, weil die Rollenstruktur die Hemmung nimmt.
Notfallruf – Feuerwehr oder Polizei (ab ca. 5 Jahren)
Vorsicht bei dieser Variante: Kinder sollen wissen, dass 110 und 112 echte Notrufnummern sind und nur im Notfall benutzt werden. Das Spiel macht Sinn, wenn man es als Übung einrahmt.
- EinleitungVorab erklären: „Wir üben heute, wie man die Feuerwehr ruft – damit du weißt, was du tust, wenn du es wirklich brauchst.“
- Notruf absetzenKind ruft an (Spielzeugtelefon). Erwachsener nimmt ab: „Feuerwehr, was ist passiert?“ Kind beschreibt die Situation: „Es brennt in unserem Haus!“
- Angaben machenErwachsener als Feuerwehr fragt: „Wo genau? Wie viele Personen? Gibt es Verletzte?“ Kind antwortet.
- AbschlussErwachsener bestätigt: „Wir kommen sofort! Bleib draußen und warte auf uns.“ Gespräch beendet.
- NachbesprechenWas hat das Kind richtig gemacht? Was war schwierig? Wichtig: Die richtigen Notrufnummern nochmal nennen und einprägen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=uXwhwPDq1WI
Wettervorhersage durchsagen (ab ca. 5 Jahren)
Ein Kind ist der Wetterdienst, das andere fragt nach dem Wetter. Das Meteorologen-Kind schaut aus dem Fenster, überlegt kurz und sagt an: „Morgen wird es 22 Grad, wolkig mit gelegentlichen Schauern. Regenjacke mitnehmen!“ Dieses Szenario fördert Beschreibungskompetenz und Beobachtung.
Das Schnurtelefon selbst bauen
Das selbst gebaute Fadentelefon ist für viele Kinder beeindruckender als jedes Spielzeug, weil es wirklich funktioniert.
- MaterialZwei leere Joghurtbecher oder Plastikdosen (keine dünnen Papierbecher), eine lange Schnur oder Angelschnur (5–10 Meter).
- Löcher bohrenMit einer heißen Nadel oder einem Locher ein kleines Loch in den Boden jedes Bechers. Erwachsene machen das, Kinder schauen zu.
- Schnur einfädelnSchnur von außen durch das Loch stecken, innen einen großen Knoten machen (damit die Schnur nicht durchrutscht). Mit dem zweiten Becher genauso verfahren.
- TestenBeide Personen halten je einen Becher ans Ohr und gehen auseinander bis die Schnur gespannt ist. Sprechen in den Becher – hören im anderen Becher! Die Schnur darf nicht schlaff hängen.
Telefonspiel im Kindergarten und in der Schule
- Telefonkette: Alle Kinder sitzen in einer Reihe. Das erste nennt dem zweiten eine kurze Nachricht am „Telefon“ (Becher ans Ohr, Flüstern). Die Nachricht wandert weiter. Am Ende laut vorlesen: Was kam an?
- Konferenzgespräch: Drei Kinder, drei Telefone (oder Becher auf einem Tisch). Alle reden gleichzeitig – Chaos entsteht sofort. Dann Regel einführen: Wer spricht, hebt die Hand. Das lehrt Gesprächsregeln
- Interview: Ein Kind als Journalist ruft eine bekannte Figur an (gespielt von einem anderen Kind): den Weihnachtsmann, eine Märchenfigur, den Bürgermeister. Fünf Fragen stellen, Antworten aufschreiben.
- Bestellannahme in der Bäckerei: Ein Kind nimmt Aufträge per Telefon an und schreibt sie auf. Anderes Kind bringt die Bestellung. Gutes Spiel für Vorschulkinder mit ersten Schreibübungen.
Das Telefonspiel lässt sich gut mit anderen kaufmännischen Szenarien verbinden: Wer per Telefon bestellt, muss am Ende auch bezahlen – mehr dazu beim Kaufmannsladen spielen. Und wer das Kommunikationsthema weiterführen möchte, findet beim Postamt spielen ein verwandtes Szenario mit Briefen, Paketen und Empfangsbestätigungen.
Telefonieren spielen ist deshalb so wertvoll, weil es das einzige Rollenspiel ist, bei dem das Kind nicht sieht, mit wem es redet. Es muss allein mit der Stimme kommunizieren – und das ist eine Fähigkeit, die im echten Leben immer wichtiger wird.
Häufige Fragen
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