Mau Mau ist eines der wenigen Kartenspiele, das sich mit einem einzigen Satz erklären lässt: Lege eine Karte, die in Farbe oder Wert zur obersten Karte des Ablagestapels passt, und wer zuerst alle Karten loswird, gewinnt. Das versteht jedes Kind, das Farben unterscheiden kann. Was danach kommt, die Sonderkarten, die Taktik, das richtige Timing des „Mau!”-Rufens, erschließt sich im Spielen von selbst. Genau das ist die Stärke dieses Klassikers: Der Einstieg ist minimal, die Tiefe kommt von alleine, und wer nach zehn Runden noch am Tisch sitzt, weiß warum.
Mau Mau wird seit den 1930er Jahren gespielt und gehört zu den meistgespielten Kartenspielen im deutschsprachigen Raum. Weil es keine einheitliche offizielle Regelversion gibt, variieren viele Hausregeln, besonders bei den Sonderkarten. Dieser Artikel erklärt die verbreitetste Grundvariante vollständig, zeigt welche Varianten es gibt und warum das Spiel nach hundert Runden noch immer funktioniert.
Was gebraucht wird und wie eine Runde beginnt
Gespielt wird mit einem deutschen Skatblatt mit 32 Karten: die Werte 7, 8, 9, 10, Bube, Dame, König und Ass in den vier Farben Kreuz, Pik, Herz und Karo. Alternativ funktioniert auch ein französisches Blatt mit 52 Karten; dann werden die Zahlen 2 bis 6 herausgenommen oder man spielt mit dem vollen Blatt und passt die Punktewertung an. Das Spielprinzip bleibt dasselbe, die Kartenanzahl verändert nur das Tempo.
Zwei bis acht Personen können mitspielen, ideal sind drei bis fünf. Bei zwei Spielern fehlt die soziale Dynamik, bei mehr als sechs dauern die Wartezeiten zwischen den Zügen zu lang. Jeder Spieler erhält zu Beginn fünf Karten. Der Rest kommt verdeckt als Ziehstapel in die Mitte, die oberste Karte wird aufgedeckt und bildet den Startablagestapel. Ist die aufgedeckte Startkarte ein Bube, wird sie zurück in den Stapel gemischt und eine neue aufgedeckt, da der Bube als Sonderkarte nicht als Startkarte gelten soll. Diese Kleinigkeit entscheidet manchmal über den Verlauf der ersten Runden erheblich.
| Vorbereitungsschritt | Details |
|---|---|
| Spielerzahl | 2 bis 8 Personen, ideal 3 bis 5 |
| Kartendeck | 32 Karten (deutsches Skatblatt, Werte 7 bis Ass) |
| Startkarten pro Spieler | 5 Karten |
| Aufbau | Verdeckter Ziehstapel und aufgedeckte Startkarte als Ablagestapel |
| Spielrichtung | Uhrzeigersinn, sofern keine 9 gespielt wird |
Die Grundregeln: Ablegen, Ziehen, Gewinnen
Wer an der Reihe ist, legt eine Karte auf den Ablagestapel, die entweder in der Farbe oder im Wert mit der obersten Karte übereinstimmt. Hat jemand eine Kreuz-Dame liegen, kann man entweder eine beliebige Kreuzkarte oder eine beliebige Dame ablegen. Wer keine passende Karte hat, zieht eine vom Ziehstapel. In den meisten Varianten darf man die gezogene Karte sofort ablegen, wenn sie passt. Wenn nicht, ist der nächste Spieler an der Reihe. Diese Zugstruktur ist das Fundament des Spiels: klar, schnell, ohne Ausnahmen außer bei den Sonderkarten.
Wer nur noch zwei Karten hat, muss beim Ablegen der vorletzten Karte „Mau!” rufen. Wer seine letzte Karte ablegt, ruft „Mau Mau!” Das ist das Spielende für diese Person. Wer das Rufen vergisst, muss zur Strafe zwei Karten vom Ziehstapel nachziehen. Diese Regel sorgt dafür, dass alle aufmerksam bleiben, auch wenn sie selbst nicht an der Reihe sind. Wer die Anzahl der Karten der Mitspieler im Blick behält, weiß, wann Gefahr droht, und kann mit Sonderkarten gegensteuern. Das macht aus einem reinen Glücksspiel ein Beobachtungsspiel.
Ist der Ziehstapel leer, wird der Ablagestapel bis auf die oberste Karte neu gemischt und als neuer Ziehstapel verwendet. Die oberste Karte des Ablagestapels bleibt liegen. Das Spiel geht nahtlos weiter, ohne Unterbrechung oder Neustart.
Sonderkarten und ihre Wirkung
Die Sonderkarten sind der taktische Kern von Mau Mau. Sie können den Verlauf einer Runde komplett verändern: Ein Stapel aus Siebenen, der sich aufbaut, kann einen Mitspieler zwingen, sechs oder acht Karten auf einmal zu ziehen. Ein Bube im richtigen Moment erlaubt einen Farbwechsel, der niemanden freut außer dem Spieler, der ihn gelegt hat. Eine Neun dreht die Richtung um und vernichtet den gut geplanten Zug des Gegners. Die folgende Tabelle zeigt die verbreitetste Variante der Sonderkartenregeln, die in den meisten deutschen Haushalten gilt:
| Karte | Wirkung (verbreitete Variante) | Kontern möglich? |
|---|---|---|
| 7 | Nächster Spieler muss 2 Karten ziehen | Ja, mit einer weiteren 7: dann muss der Übernächste 4 ziehen |
| 8 | Nächster Spieler setzt eine Runde aus | Nein |
| 9 | Spielrichtung wechselt | Nein |
| Bube | Beliebige Farbe wünschen, passt auf jede Karte | Nicht nötig |
| Ass | In manchen Varianten setzt der nächste Spieler aus | Je nach Hausregel |
Buben sind die mächtigste Karte. Sie dürfen auf jede andere Karte gelegt werden und erlauben dem Spieler, eine neue Farbe zu wünschen. Wer einen Buben als letzte Karte ablegt, muss das trotzdem mit „Mau Mau!” ankündigen, und der Farbwunsch gilt noch, auch wenn das Spiel für diese Person beendet ist. Der nächste Spieler muss in der gewünschten Farbe ablegen oder eine Karte ziehen. Wer einen Buben auf der Hand hält, wenn die Partie verloren geht, zahlt in der Punktewertung den höchsten Preis.
Punktewertung und Mehrrundenspiel
Viele Gruppen spielen Mau Mau über mehrere Runden und zählen Minuspunkte für Karten, die in der Hand verblieben sind. Die verbreitetste Wertung: Zahlenkarten zählen ihren aufgedruckten Wert (die 7 zählt 7 Punkte, die 10 zählt 10 Punkte), Bildkarten (Dame, König) je 10 Punkte, das Ass 11 Punkte und Buben 20 Punkte. Wer nach einer vereinbarten Rundenanzahl oder nach Erreichen einer Punktegrenze die wenigsten Minuspunkte hat, gewinnt das Gesamtspiel. Diese Wertung macht es sinnvoll, auch nach dem eigenen Ausscheiden die Karten der anderen im Blick zu behalten, denn wer mit vielen Buben auf der Hand verliert, zahlt einen hohen Preis und kann in der Gesamtwertung weit zurückfallen.
Wer weitere Kartenspiele für Familienabende sucht, findet im Beitrag zu den Brettspielen für Kinder eine breite Auswahl. Für einen sanften Einstieg in Regelspiele für jüngere Kinder bietet der Artikel zum Ersten Obstgarten ein kooperatives Spiel ohne Verlierer.
Warum Mau Mau nach hundert Runden noch funktioniert
Das Merkwürdige an Mau Mau ist, dass es trotz der einfachen Regeln keine vorhersehbaren Partien gibt. Eine Sieben im richtigen Moment gelegt, ein Bube, der die Farbwahl erzwingt, eine Neun, die die Richtung dreht und den gut geplanten Zug des Gegners zunichte macht: Das reicht aus, um eine Runde komplett zu drehen. Wer gerade noch zehn Karten in der Hand hatte, kann zwei Züge später vorne liegen. Wer kurz vor dem Sieg stand, zieht plötzlich sechs Karten wegen einer Kette aus Siebenen. Diese Unvorhersehbarkeit ist kein Fehler im Design, sondern der Kern, der das Spiel seit fast hundert Jahren am Leben hält. Es gibt kein Mittel gegen Pech, aber es gibt auch keine Partie, in der Taktik völlig wertlos wäre. Wer beobachtet, wer wenige Karten hat, wer in einer ungünstigen Farbe feststeckt, wer keine Sonderkarten mehr haben kann, spielt anders als jemand, der nur die eigene Hand im Blick hat. Genau diese Balance zwischen Glück und Aufmerksamkeit macht es geeignet für jede Altersgruppe und jeden Abend, egal wie müde alle schon sind.
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