Ein Postamt als Rollenspiel funktioniert deshalb so gut, weil fast alle Kinder in Deutschland wissen, was ein Postbote macht. Der gelbe DHL-Wagen, das Paket an der Tür, die Briefmarke auf dem Umschlag – das sind vertraute Bilder. Ein selbstgebautes Postamt im Kinderzimmer oder auf dem Balkon bringt diese Welt in den Spielraum: mit echten Briefumschlägen, selbst gebastelten Briefmarken, einer Kasse und einem Briefkasten aus Karton.
Das Postamt einrichten
Ein vollständiges Postamt braucht drei Bereiche: den Schalter (wo Pakete aufgegeben und Porto bezahlt wird), die Sortierung (wo Briefe nach Adressen sortiert werden) und den Briefkasten (wo Post eingeworfen und abgeholt wird).
- Schaltertheke einrichtenEin Tisch als Theke, dahinter ein Stuhl für den Postbeamten. Auf der Theke: Stempelkissen, selbst gebastelte Stempel, Spielgeld, Notizbuch als Kassenbuch. Ein selbst gemaltes Schild mit dem Namen der Poststelle.
- Briefkasten bauenEinen stabilen Karton nehmen und einen Schlitz oben einschneiden – groß genug für Briefe. Mit gelber Farbe anmalen (Deutsche Post-Farbe), Hausnummer draufschreiben. Fertig: Briefe können eingeworfen und vom Postbeamten geleert werden.
- Sortierstation einrichtenMehrere kleine Kartons oder Schuhschachteln als Fächer für verschiedene Adressen oder Nachnamen. Die Briefe liegen hier, bis der Postbote sie zustellt.
- Rollen verteilenMindestens ein Kind am Schalter (Postbeamtin), eines als Postbote, eines als Kunde. Mit mehr Kindern: zweite Schalterkraft, Paketbote, Leitung der Poststelle. Rollen nach jeder Runde tauschen.
Rollen und Aufgaben
| Rolle | Aufgaben im Spiel | Requisiten | Ab Alter |
|---|---|---|---|
| Postbeamtin / Postbeamter | Pakete wiegen, Porto ausrechnen, Stempel aufdrücken, kassieren | Stempel, Spielgeld, Waage (Küchenwaage reicht), Notizbuch | ab 4 |
| Postbotin / Postbote | Briefe nach Adressen sortieren, zustellen, Haustüren anklingeln | Tasche oder Rucksack, Namensschild | ab 4 |
| Kundin / Kunde | Briefe schreiben, Pakete aufgeben, Porto bezahlen, Fragen stellen | Spielgeld, Brief oder Paket | beliebig |
| Paketbotin / Paketbote (DHL) | Große Pakete liefern, Unterschrift abholen, Benachrichtigungszettel hinterlassen | Großer Karton als Paket, Klemmbrett mit Unterschriftenfeld | ab 5 |
Typische Spielszenarien
Paket aufgeben (ab ca. 4 Jahren)
Ein Erwachsener oder Kind tritt als Kunde auf: „Ich möchte dieses Paket nach Hamburg schicken.“ Der Postbeamte wiegt das Paket auf einer Küchenwaage, schaut in der Preisliste nach (selbst geschrieben: bis 500g = 2 Euro, bis 1kg = 4 Euro), drückt einen Stempel auf und kassiert das Porto. Das Paket kommt in den Bereich für ausgehende Post.
Brief einwerfen und zustellen (ab ca. 4 Jahren)
Ein Kind schreibt einen Brief (für Jüngere: ein Bild auf ein Blatt Papier), steckt ihn in einen Umschlag, klebt eine selbst gebastelte Briefmarke drauf und schreibt eine Adresse (oder kritzelt eine). Der Brief wird in den Briefkasten geworfen, vom Postbeamten geleert, sortiert und dann vom Postboten an die entsprechende Adresse zugestellt – andere Zimmer im Haus, oder Stühle mit Namensschildern.
Nachnahme-Paket (ab ca. 6 Jahren)
Der Paketbote klingelt und bringt ein Paket, das erst bezahlt werden muss, bevor es ausgehändigt wird. Der Empfänger muss das richtige Kleingeld zusammenstellen und auf dem Klemmbrett unterschreiben. Dieses Szenario bringt Rechenaufgaben ins Spiel, die sich ganz natürlich ergeben.
Einschreiben (ab ca. 5 Jahren)
Ein besonderer Brief, der am Schalter aufgegeben werden muss. Der Postbeamte klebt eine Extra-Marke drauf und händigt dem Kunden eine Quittung aus. Der Empfänger muss den Brief persönlich abholen und unterschreiben.
Briefmarken und Stempel selbst basteln
Briefmarken mit Kartoffeldruck
Eine rohe Kartoffel halbieren, ein einfaches Muster einritzen (Stern, Herz, Zahl), in Wasserfarbe oder Stempelfarbe tauchen und auf weißes Papier drücken. Nach dem Trocknen ausschneiden – fertig sind die Briefmarken. Kinder ab drei Jahren können das mit Hilfe machen.
Stempel aus Moosgummi
Formen aus Moosgummi ausschneiden (Buchstaben, Posthorn, Sterne), auf einen Holzklotz oder Korken kleben, trocknen lassen. Mit einem Stempelkissen verwenden. Langlebiger als Kartoffeldruck und wiederverwendbar.
Preisliste für die Poststelle
Eine handgeschriebene Preisliste macht den Schalter realistischer:
- Brief bis 20g: 1 Münze (Spielgeld)
- Brief bis 50g: 2 Münzen
- Paket bis 500g: 3 Münzen
- Paket bis 1kg: 5 Münzen
- Einschreiben: + 2 Münzen extra
- Expresslieferung: + 3 Münzen extra
Was das Postamt-Spiel besonders gut macht
- Lesen und Schreiben: Adressen schreiben und lesen ist kein Übungsblatt, sondern Spielnotwendigkeit – wer die Adresse falsch schreibt, findet das Haus nicht
- Rechnen: Porto berechnen, Wechselgeld herausgeben – Mathe ohne Arbeitsblatt
- Realitätsbezug: Was ein Postbote macht, kennt jedes Kind – das Spiel schließt direkt an echte Erfahrungen an
- Skalierbar: Von zwei Kindern (Postbeamter und Kunde) bis zu zehn (vollständiger Postbetrieb mit mehreren Stationen)
- Materialarm: Alte Kartons, Papier, Stift – mehr braucht es nicht
Das Postamt-Spiel lässt sich gut mit anderen kaufmännischen Szenarien kombinieren. Wer auch einen Laden nebenan betreiben möchte, findet beim Kaufmannsladen spielen direkt anschlussfähige Ideen. Und wer mehr Rollenspiel-Szenarien für Kindergartengruppen sucht, findet bei den Rollenspielen für den Kindergarten eine breite Übersicht.
Ein Postamt im Kinderzimmer braucht keinen gelben Wagen und kein Firmenlogo. Ein Karton-Briefkasten, ein Stempel aus Moosgummi und ein Notizbuch als Kassenbuch – und die Post kann kommen.
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