Ein Blatt kariertes Papier, ein Stift und ein Mitspieler – mehr braucht Schiffe versenken nicht. Das Spiel gehört zu den wenigen Klassikern, die ohne jedes Material auskommen und trotzdem strategische Tiefe besitzen. Jede Partie verläuft anders, weil die Schiffsaufstellung und die Suchreihenfolge endlos variieren können.
Schiffe versenken ist ein Zweispieler-Spiel. Beide Spieler zeichnen je zwei Raster (meist 10×10), stellen ihre Flotte verdeckt auf und versuchen abwechselnd, die Schiffe des anderen durch Koordinatenansagen zu finden und zu versenken.
Grundregeln – Schritt für Schritt
- Raster zeichnenJeder Spieler zeichnet zwei 10×10-Raster auf sein Papier. Das linke Feld ist die eigene Flotte, das rechte dient zur Dokumentation der eigenen Schüsse auf den Gegner. Spalten werden mit Buchstaben (A–J) beschriftet, Zeilen mit Zahlen (1–10).
- Schiffe platzierenJeder Spieler stellt seine Schiffe verdeckt im eigenen Raster auf. Klassische Flottenzusammensetzung: 1 Schlachtschiff (5 Felder), 2 Kreuzer (je 4 Felder), 3 Zerstörer (je 3 Felder), 4 U-Boote (je 2 Felder). Schiffe dürfen nicht schräg gestellt werden und sich nicht berühren – auch nicht diagonal.
- Abwechselnd schießenSpieler 1 nennt eine Koordinate: „B5″. Spieler 2 antwortet: „Treffer“ oder „Wasser“. Bei einem Treffer darf Spieler 1 sofort einen weiteren Schuss abgeben. Beide dokumentieren die Schüsse in ihrem rechten Raster.
- Versenkt meldenWenn alle Felder eines Schiffs getroffen wurden, muss der betroffene Spieler ansagen: „Versenkt!“ Optional: Die genaue Position des versenkten Schiffs bekanntgeben.
- SpielendeWessen gesamte Flotte versenkt ist, verliert. Eine normale Partie dauert 10–20 Minuten.

Flottenaufstellungen im Vergleich
Die Flottenaufstellung variiert je nach Regelversion. Die häufigsten deutschen Varianten:
| Schiffstyp | Felder | Anzahl (klassisch) | Gesamtfelder |
|---|---|---|---|
| Schlachtschiff | 5 | 1 | 5 |
| Kreuzer | 4 | 2 | 8 |
| Zerstörer | 3 | 3 | 9 |
| U-Boot | 2 | 4 | 8 |
| Gesamt | 10 Schiffe | 30 Felder |
Strategie: Schiffe aufstellen
Die Aufstellung der eigenen Flotte ist die erste taktische Entscheidung. Keine Position ist perfekt – aber einige sind besser als andere.
Rand vs. Mitte
Schiffe am Rand haben weniger angrenzende Felder – ein Treffer führt den Gegner also in weniger Richtungen. Das klingt defensiv, hat aber einen Nachteil: Erfahrene Spieler scannen Ränder oft systematisch als erstes, weil das eine bekannte Taktik ist.
Schiffe in der Mitte haben mehr angrenzende Felder, verbergen sich aber besser in der Masse des 10×10-Rasters.
Gestreute Aufstellung
Die beste Aufstellung verteilt die Schiffe über das gesamte Raster ohne erkennbares Muster. Wer alle großen Schiffe in einer Ecke platziert, riskiert, dass ein systematischer Gegner sie schnell hintereinander findet. Wer sie gleichmäßig verteilt, zwingt den Gegner zu mehr Schüssen.
- Keine zwei langen Schiffe nebeneinander platzieren – ein Treffer in der Nähe führt den Gegner direkt zum nächsten
- Schiffe nicht parallel zueinander an Rändern aufstellen – das macht systematisches Absuchen einfacher
- Mindestens ein Schiff genau in einer Ecke verstecken – das wird oft zuletzt durchsucht Keine gleichmäßigen Muster wählen – viele Spieler stellen unbewusst Schiffe in diagonalen oder parallelen Reihen auf</pe_item]
Strategie: Suchen und Schießen
Die Schachbrett-Methode
Da jedes Schiff mindestens zwei Felder lang ist, reicht es theoretisch, nur jedes zweite Feld zu beschießen – wie die schwarzen Felder eines Schachbretts. Jedes Schiff ab zwei Feldern wird dabei mindestens einmal getroffen. Das halbiert die maximale Anzahl nötiger Schüsse von 100 auf 50.
Nach einem Treffer
Nach einem Treffer gilt: sofort die vier benachbarten Felder (oben, unten, links, rechts) systematisch absuchen. Nie diagonal – Schiffe werden nur horizontal oder vertikal gestellt. Sobald die Ausrichtung klar ist (zwei Treffer in einer Linie), nur noch in diese Richtung weiterschießen bis das Schiff versenkt ist.
Varianten
Kleineres Raster für Kinder (ab ca. 6 Jahren)
Ein 8×8-Raster mit weniger Schiffen (5 statt 10) macht das Spiel kürzer und verständlicher. Weniger Felder bedeuten schnellere Erfolgserlebnisse – gut für Kinder, die das Konzept noch verinnerlichen.
Torpedo-Variante
Jeder Spieler hat pro Partie einmal die Möglichkeit, einen Torpedo einzusetzen – ein Schuss trifft alle Felder einer ganzen Zeile oder Spalte. Nur einmal einsetzbar, muss vorab angekündigt werden: „Ich feuere Torpedo auf Reihe 5!“
Seeminen
Jeder Spieler darf vor dem Spielstart zwei Seeminen im eigenen Raster platzieren (nicht benachbart zu Schiffen). Wenn der Gegner eine Mine trifft, trifft die Explosion auch alle direkt angrenzenden Felder – möglicherweise ein eigenes Schiff.
Dreieckiges Raster (Fortgeschrittene)
Statt eines quadratischen 10×10-Rasters wird ein sechseckiges oder dreieckiges Spielfeld gezeichnet. Jedes Feld hat dann sechs statt vier Nachbarn. Das verändert Taktik und Suche grundlegend.
Asymmetrische Flotten
Beide Spieler haben unterschiedliche Flotten – Spieler A hat wenige große Schiffe, Spieler B viele kleine. Das verändert die Dynamik: Wer sucht effizienter? Gut für Runden, bei denen ein erfahrener Spieler gegen einen Einsteiger antritt.
Ab welchem Alter und wie lange?
- Ab ca. 6 Jahren: Vereinfachte Version auf 6×6-Raster, nur 4 Schiffe, keine Strategie nötig – das Konzept des abwechselnden Ratens reicht
- Ab ca. 7–8 Jahren: Klassisches 10×10-Raster, vollständige Flotte, erste strategische Überlegungen möglich
- Ab ca. 9 Jahren: Varianten (Torpedo, Seeminen), Schachbrettmuster als Strategie einführen, Partieauswertung besprechen
- Spieldauer: Klassisch 10–20 Minuten pro Partie. Auf dem Kleinformat mit Kindern: 5–10 Minuten
Wer weitere Stift-und-Papier-Spiele ohne Material sucht, findet beim Tic Tac Toe spielen einen direkten Verwandten mit ähnlichem Raster-Prinzip. Und wer nach Buchstaben-Spielen auf Papier sucht, findet beim Galgenmännchen spielen eine gut beschriebene Alternative.
Schiffe versenken ist eines der wenigen Spiele, bei dem man beim Verlieren genauso viel lernt wie beim Gewinnen. Wer nach einer Niederlage versteht, warum der Gegner die Schiffe so schnell gefunden hat, spielt die nächste Partie schon anders.

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